Boykottaufruf gegen Elsevier

Seit Januar 2012 läuft ein Boykottaufruf gegen den Fachjournal-Verlag Elsevier, an dem sich bisher über 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligen.

Elsevier wird vorgeworfen, in Zeiten knapper werdender Universitäts- und Bibliotheksbudgets mit enormen Gewinnspannen zu arbeiten.1 Die exorbitanten Preise verlangt Elsevier auch für öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse, weswegen auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft schon einmal zu einem Elsevier-Boykott aufgerufen hat.2 Schließlich ist Elsevier ein Unterstützer der beiden kontroversen Online-Gesetze SOPA und PIPA.

Nehmt Euch kurz fünf Minuten Zeit… lohnt sich mindestens so sehr wie die Guttenberg-Petition letztes Jahr…

Weitere Infos:
Seite des Elsevier-Boykotts ,The Cost of Knowledge’
EsoWatch, „Der Preis des Wissens – Wissenschaftler gegen Elsevier“
Laborjournal Blog, „Boykott gegen Elsevier“
Wikipedia zur Kritik an Elsevier

Update: Eine gute Zusammenfassung gibt es im Mathlog:

„…Elsevier verkauft seine Zeitschriften an Universitätsbibliotheken zu weit überhöhten Preisen, obwohl ihnen bei der Produktion der Zeitschriften kaum Kosten entstehen. Denn weder die Autoren noch die Gutachter noch die Herausgeber der Fachzeitschriften werden für ihre Arbeit bezahlt. (Jedenfalls nicht von Elsevier, natürlich stehen die Herausgeber, Gutachter und Autoren auf der Gehaltsliste ihrer jeweiligen Institute.) Auch Druckkosten sind niedrig, seitdem Autoren ihre Arbeiten als fertige Pdf’s einreichen. Es gibt also (außer dem Namen der jeweiligen Zeitschrift) keine Rechtfertigung für die hohen Preise.

Kritik daran ist schon seit Jahren immer wieder öffentlich geäußert worden (z.B. erklärte das Herausgerbergremium von „Topology“ seinen geschlossenen Rücktritt), geändert hat sich aber nichts. Deshalb geht es bei der aktuellen Aktion jetzt nicht mehr nur um eine Unterschriftensammlung, sondern um einen Boykottaufruf: Wissenschaftler sollen nicht mehr bei Elsevier veröffentlichen und sie sollen für Elsevier nicht mehr als Gutachter oder Herausgeber tätig sein. Kurz: sie sollen keine kostenlosen Tätigkeiten mehr für Elsevier ausführen, solange sich diese auf Kosten der öffentlichen Hand (i.W. der Universitätsbibliotheken) bereichern…“

Mathlog, „Wissenschaftler aller Länder vereinigt euch!“, 28.01.2012

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Elsevier#Kritik_an_Elsevier [zurück]
  2. http://www.ec-petition.eu/index.php?p=index [zurück]